Südostseite des Doms

Südostseite des Doms

Blick ins Mittelschiff

Blick ins Mittelschiff

Kaisersaal mit Schraudolph-Fresken

Kaisersaal mit Schraudolph-Fresken

Kaisersaal mit Schraudolph-Fresken

Patrone an der Westfassade

Patrone an der Westfassade

Blick von der Aussichtsplattform auf die Osttürme

Blick von der Aussichtsplattform auf die Osttürme

Aktuelle Maßnahmen zum Domerhalt

Arbeiten an der Zwerggalerie gingen weiter – Vierungskuppel muss umfassend saniert werden – Vorhalle als nächste große Maßnahme geplant

 Seit Mitte des Jahres 2018 ist der Vierungsturm des Speyerer Doms eingerüstet und wird es auch noch mindestens das ganze Jahr 2019 bleiben. Ein Gerüst, so sehr es den Gesamteindruck eines Gebäudes schmälern mag, ist immer ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass aktiv am Erhalt der Kathedrale gearbeitet wird. Im aktuellen Sanierungskonzept des Doms ist vorgesehen, den riesigen Kirchenbau abschnittsweise in Stand zu halten. Dieses Vorgehen ermöglicht es zum einen, Synergieeffekte zu nutzen, zum anderen soll so ein Sanierungsstau vermieden werden. Möglich ist diese Vorgehensweise auch durch die kontinuierliche Unterstützung des Dombauvereins, welche dem Domkapitel die Planung erleichtert. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Überblick über großen Maßnahmen des vergangenen sowie des kommenden Jahres geben.

Rückschau 2018

Die größte Bauaufgabe am Dom ist derzeit die Vierungskuppel. Der Vierungsturm wurde zuletzt in den 1960er-Jahren saniert und Schäden am Putz sowie am freiliegenden Mauerwerk waren bereits sichtbar. Durch entsprechende Gerüststellung wurde Mitte 2018 zunächst ein Zugang zur Kuppel geschaffen. Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass der Vierungsturm sich in einem schlechteren Zustand befindet, als zunächst gedacht. Etwa eine halbe Million Euro wird die Sanierung kosten. Unterstützt wird das Domkapitel bei der Finanzierung wie bei allen großen Maßnahmen durch den Dombauverein, durch das Land Rheinland-Pfalz und in diesem Fall zusätzlich durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Anders als der Rest des Doms besteht der Vierungsturm nicht aus Sandstein sondern größtenteils aus Tuffstein. Die Wandflächen waren ursprünglich mit einem dünnen, nahezu hellweißen Kalkmörtel flächig überzogen und waren durch Fugenstriche gestaltet, besaßen also eine optisch völlig andere Wirkung als der rötliche Flächenputz, der zuletzt zu sehen war. Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen, die im 18. Jahrhundert nötig wurden, ließ der damalige Baumeister Leonard Stahl insgesamt drei stählerne Ringanker um den Turm setzen. Weiterhin wurden barocke Rundbogenfenster eingefügt, der Turm erhöht und das bis heute erhaltene geschweifte Dach aufgesetzt. Im Zuge der großen Domrestaurierung Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Fenster der Barockzeit wieder vermauert und durch Rundfenster, welche sich an den bauzeitlichen Befunden orientierten, ersetzt. Ohne Bezug zur historischen Bausituation wurde ein dickschichtiger und hochhydraulischer Deckputz aufgebracht, welcher das darunter liegende Mauerwerk nachhaltig schädigte. Zudem besteht gegenwärtig eine Gefährdung des Mauerwerks durch fehlerhafte Wasserführung. Auf Basis der vorliegenden Befunde wird 2019 in Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat des Doms ein mögliches umsetzbares Instandsetzungskonzept erarbeitet.

Als weitere Baumaßnahme wurden die 2017 begonnen Arbeiten an der Zwerggalerie fortgesetzt. Stützen, Bögen, Mauerwerk und Gehbelag im Bereich des nordwestlichen Mittelschiffs wurden überprüft und entsprechend der Befunde restauriert. Da eine Abnahme der Silikatdispersionsfarbe nicht möglich war, erfolgte abschnittsweise das Auftragen einer Silikatlasur, um die Oberfläche optisch zu beruhigen. Dabei wurden einzelne Quader hervorgehoben, um eine monochrome Farbfläche zu vermeiden. Zudem wurde in diesem Bereich die Außenwandfläche des Hauptschiffs mit überarbeitet.

Ebenfalls fortgesetzt wurden die Maßnahmen an der Elektrik des Doms. Hier gilt es, den Bau technisch zu ertüchtigen, indem marode Leitungen erneuert, aktuelle Sicherheitsvorschriften umgesetzt und die Leuchten durch LED ersetzt werden.

Die für 2018 angekündigte Untersuchung der Krypta wurde verschoben. Da die Maßnahme am Vierungsturm aufwendiger und dringlicher ist, als zunächst angenommen, sollen die Kräfte hier bis auf weiteres gebündelt werden.

 Vorschau 2019

Bereits seit einiger Zeit war es der Wunsch des Speyerer Domkapitels, die Vorhalle zu restaurieren. Der besondere Stellenwert dieses Raumes ergibt sich zum einen aus der Bedeutung der Vorhalle als historistisches Gesamtkunstwerk, zum anderen aus ihrer Funktion: Die Vorhalle des Doms ist gleichsam die Empfangshalle für die Besucher, die hier einen ersten und bleibenden Eindruck von dem Gebäude erhalten. Ausgerechnet hier zeigen sich jedoch erkennbare Verschmutzungen und Schäden.

Wie dem Domkapitel Anfang November 2018 mitgeteilt wurde, fördert der Bund die Sanierung der Vorhalle des Doms mit 356.000 Euro und ermöglicht so eine zeitnahe Umsetzung der Maßnahme. Das Land Rheinland Pfalz beteiligt sich mit Mitteln in gleicher Höhe und die Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer hat ebenfalls eine Förderung in Aussicht gestellt. Über die jährliche Zuwendung des Dombauvereins wird auch dieser die Maßnahme mit tragen.

Die umfangreiche und denkmalgerechte Sanierung der Vorhalle soll einer weiteren Schädigung vorbeugen und zugleich den optischen Gesamteindruck nachhaltig verbessern. Im Jahr 2019 soll mit der schrittweisen Restaurierung aller Steinoberflächen sowie der Reliefs und Skulpturen begonnen werden. Bereits 2015 wurde eine Untersuchung durchgeführt, die Aufschluss über die Art und Anzahl der notwendigen Maßnahmen an Boden, Wänden, Gewölben sowie Kenotaphen, Reliefs und Skulpturen gab. Darunter sind Steinersatz, Herausnahme störender Kittungen mit falscher Oberflächengestaltung, Austausch desolater Bodenplatten, Ausbesserung von Schäden durch Rostsprengung an den Skulpturen, Oberflächenreinigung, Abnahme oberflächenverdichtender Verkrustungen und eine Überarbeitung des Beleuchtungskonzept. Ebenfalls notwendig ist eine neue Taubenbewehrung mit einem Austausch der vorhandenen Netze gegen kaum sichtbare Edelstahldrähte, wodurch die optische Wirkung der Kunstwerke verbessert werden soll. Im April 2016 fand eine Probereinigung der Skulptur Heinrich V. mittels Lasertechnik statt, die den weißen Donaukalksandstein wieder sichtbar machte. Nach den jetzigen Plänen wird die Maßnahme ohne eine vollständige Schließung der Vorhalle und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums bewerkstelligt werden, um ein optisches Auseinanderfallen der einzelnen Raumteile zu verhindern. Dank der zugesagten Fördermittel kann die Maßnahme nun in im Jahr 2019 starten.

Zu den kleineren aber bedeutenden Maßnahmen des Jahres 2019 gehört die Untersuchung und Restaurierung des Epitaphs Rudolfs von Habsburg. Ermöglicht wird diese Maßnahme aus Mitteln der Dr. Albrecht und Hedwig Würz Stiftung. Das Grabdenkmal, das sich heute in der Vorkrypta des Doms in der Nähe zu den Herrschergräbern befindet, gilt als einmaliges Kunstwerk des Mittelalters, da es den Herrscher nicht in idealisierter Form zeigt, sondern mit Falten und Kinngrübchen. Mittels einer grundlegenden und fachgerechten restauratorischen Untersuchung soll zunächst das maximale an Wissen zu dem Bildnis gesammelt werden, um dann mit einer Restaurierung beginnen zu können. Befunde zu Farbspuren oder zu unterschiedlichen Materialien könnten Auskunft darüber geben, welche Teile nachträglich verändert und ergänzt wurden. Daraus lässt sich dann möglicherweise beantworten, ob die markanten Geschichtszüge wirklich das naturgetreue Abbild des Königs sind.

Bildergalerie Baumaßnahmen 2018