Monday, 05. June 2017

Wein zur Freude des Volkes: Riesling aus dem Domnapf

Weihbischof präsentiert Gedicht zur Füllung

Speyer. Lange warten mussten die Freunde des edlen Traubensaftes am Bistumsjubiläum auf den Ausschank aus dem großen Napf vor dem Speyerer Dom. Nachdem bereits um 10.30 Uhr die ersten Jubiläumsgläser, in die der Wein ausgeschenkt wurde, verkauft worden waren, dauerte es noch  zwei Stunden, bis sich die Hähne öffneten und den Wein strömen ließen. Am Ende des Pontifikalamts im Dom und im Domgarten hatte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann alle eingeladen, „die Freude des Weins“ zu genießen. „Das ist etwas Pfälzisches, das ist etwas Gutes – und ich sage das als Westfale.“

Nach dem Schlusssegen dauerte es dann noch gut eine halbe Stunde, bis die Ehrengäste aus der Vorhalle des Domes heraustraten und Bischof Wiesemann von hier den Weinausschank aus dem Domnapf eröffnete. Zunächst hatte Weihbischof Otto Georgens sehr zur Freude der versammelten Menge in Reimform Wein, Domnapf und Bistum besungen: „Um den Durst zu stillen, wär ab und an der Domnapf zu füllen“. Gründe dafür, so hieß es in Georgens Gedicht, „gibt es vielerlei, auch ein Papstbesuch war mit dabei“. Georgens, der seine in Speyer bekannte Bezeichnung als „Woibischof“ erwähnte, hatte zum Bistumsjubiläum, wie er sagte, „die Ehren, nun mit Euch den Napf zu leeren“. Der Weihbischof, der als Dompropst für den Dom Verantwortung trägt, berichtete ebenfalls in Reimform aus der Geschichte des Domnapfs, der erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt wird. Die große Steinschale, die zum Bistumsjubiläum 1400 Liter Riesling der Weingüter Liedy, Frankweiler, und Schäfer, Mußbach, füllt, war ehedem ein Grenzzeichen: Wer sich hinter den Napf flüchtete, erhielt vor der staatlichen Gewalt sozusagen Kirchenasyl.

Den Wein für die Füllung zum 200-jährigen Bistumsjubiläum spendete die Weinbruderschaft der Pfalz, wofür sich Bischof Wiesemann besonders herzlich bei Ordensmeister Oliver Stiess bedankte. Den angenehm kühlen Wein charakterisierte Wiesemann als „feinherb“ und lobte, „das ist ein wunderbarer Tropfen“, dann stieß er mit den ersten an, die schon ein gefülltes Glas erhalten hatten. Es ist gerade 12:31 Uhr.

Auf dem für den Autoverkehr gesperrten Domplatz hatte sich inzwischen eine riesige Menschenmenge versammelt – Gottesdienstbesucher, Touristen und viele, die einfach mal so vorbei gekommen sind. Die Mitglieder des Speyerer Verkehrsvereins hatten dann alle Hände voll zu tun. Teils in historischen Gewändern, teils in Winzerkitteln füllten sie den Wein die extra für diesen Anlass mit dem Jubiläumslogo bedruckten Gläser. Nicht alle Gläser gingen zum Weinausschank in den Verkauf. „Die gibt es später noch im Dompavillon“, sagte Frank Scheid vom Tourismusverein, der zusammen mit Helmut Merz am Domplatz die Gläser verkaufte. „Es gibt ja immer auch Leute, die diese Gläser von einer Domnapffüllung sammeln.“ Die letzte Füllung liegt sechs Jahre zurück (950 Jahre Domweihe im Jahr 2011), davor gab es im Jahr 2008 zu Einführung Bischof Wiesemanns eine Domnapffüllung. Gegen 13 Uhr haben die beiden noch mehr als 1500 Gläser im Angebot. „Ja, einige davon können wir gerne noch loswerden“, sagte Merz lachend.

Glücklich über den frisch erhalten Wein aus dem Domnapf sind Gabriele Thim aus Speyer und Heike Schneider aus Otterstadt. Die beiden warteten die ganze Zeit in der Schlange. „Vor uns stand die ganze Prominenz, mit der jeder anstoßen wollte.“ Aber jetzt endlich können auch die beiden miteinander anstoßen. Und? „Das Warten hat sich gelohnt, der Wein ist sehr gut.“ Bereits deutlich früher konnten sich Julia Pohnitzer aus Karlsruhe und Fred Scheurer aus Oberhausen ihre Gläser am Domnapf füllen lassen. Das macht die Enttäuschung vom Vorabend wieder gut – die beiden Badener standen beim Glaubensfeuer vor verschlossen Domtüren. „Aber es ist schön, dass wir heute nochmal nach Speyer gekommen sind, so konnten wir den Gottesdienst im Dom miterleben.“

Gegen 16 Uhr schließlich endete der Ausschank des Rieslings. Doch auf dem Domvorplatz blieben die Menschen noch weiterhin beisammen. „So eine Napffüllung ist etwas ganz besonderes, das kommt nicht alle Jahre vor“, wie Frank Scheid vom Verkehrsverein nicht müde wurde, Speyer-Touristen zu erklären.