Anziehungspunkt Dom-Krippe

Krippenlandschaft im Speyerer Dom kündet von der Menschwerdung Gottes 

In der Vorweihnachtszeit besuchen viele Menschen den Dom zu Speyer mit dem Anliegen, hier in der hektischen Vorweihnachtszeit etwas Ruhe und Besinnung zu finden. Die Domkrippe ist dabei ein besonderer Anlaufpunkt. Den Aufbau kann man dabei schon ab dem 6. Dezember mit verfolgen: Erst kommen die großen Bäume und das Podest, dann die Pflanzen und die Architektur, in den Tagen unmittelbar vor Weihnachten auch schon ein paar Tierfiguren. Vollendet wird die Krippe aber traditionsgemäß erst am 24. Dezember, wenn die Heilige Familie dort Einzug hält. Ihren Standort hat die Dom-Krippe in der Nähe des Hauptportals, am westlichen Ende des südlichen Seitenschiffs, wo sie bis zum 2. Februar zu sehen sein wird.

Die figürliche Darstellung der Geburt Christi hat eine lange Tradition. Der heilige Franz von Assisi, nach dem Papst Franziskus seinen Namen gewählt hat, stellte das Geschehen im Stall von Bethlehem mit lebendigen Tieren nach. Figürliche Weihnachtskrippen, wie wir sie heute kennen, gibt es in Europa seit dem 16. Jahrhundert. Den Anfang machte das Jesuskind mit der Heiligen Jungfrau Maria. Noch vor dem heiligen Josef kamen Ochs und Esel dazu. Im Laufe der Zeit wurden die Weihnachtskrippen, immer bild- und damit figurenreicher. Weihnachtskrippen haben theologisch die Funktion, die Menschwerdung Gottes auf anschauliche und faszinierende Art und Weise erfahrbar zu machen.

Die Krippe im Dom zu Speyer übt seit vielen Jahrzehnten auf Jung und Alt eine besondere Anziehungskraft aus. Die Domsakristane Markus Belz und Michael Flörchinger verbinden die rund 20 Figuren mit Moos, Kiesel- und Sandsteinen, Koniferen und Zierpflanzen zu einer einzigartigen Krippenlandschaft. Die Maße betragen etwa fünfeinhalb Meter in der Breite und zweieinhalb Meter in der Tiefe. Während der Grundaufbau weitgehend demjenigen der vergangenen Jahre entspricht, lassen sich die Domsakristane für die Landschaftsgestaltung jedes Jahr neue Details einfallen. In diesem Jahr ist eine besonders schöne Palme aus dem Garten des Domsakristans Belz mit dabei. Außerdem ist die Landschaft mit besonders vielen Ebenen abwechslungsreich gestaltet. Die Anordnung der Figuren wird, dem Bericht der Evangelien folgend, in der Weihnachtszeit mehrfach verändert, zum Beispiel wenn die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind ihre Ehrerbietung erweisen. Das Verändern der Krippe mit dem Bewegen und Ergänzen von Figuren steht dabei in der Tradition der Krippendarstellungen, die von Anfang an nicht statisch gedacht waren, sondern entsprechend der biblischen Erzählung immer wieder verändert wurden.

Die Grundausstattung der Speyerer Dom-Krippe mit der Heiligen Familie schnitzte in den 1920er-Jahren der Münchner Bildhauer Otto Zehentbauer. Der Münchner Professor an der Akademie der Bildenden Künste war bekannt für seine Hochaltäre und Kirchenkreuze. Nach seinem Kriegseinsatz 1918 schuf er Krippen für zahlreiche Gotteshäuser; so auch für den Dom zu Aachen. Zehentbauers Figuren zeigen eine große Vielfalt und Ausdruckskraft. Sie sind mit viel Liebe und Sorgfalt geschnitzt. Kleinigkeiten sind exakt herausgearbeitet, dadurch wirken die Figuren lebensnah und natürlich. Ergänzt wurde die Krippe später durch einige Figuren des Bildhauers Filip Piccolruaz aus St. Ulrich im Grödner Tal. Er schnitzte unter anderem Reittiere für die drei Weisen: ein Dromedar, einen Elefanten mit Treiber sowie ein Pferd mit Pferdeführer.

Viele Eltern und Großeltern besuchen mit ihren Kindern und Enkeln die Domkrippe. Besonderer Anziehungspunkt innerhalb der Krippe ist der Elefant. Elefanten sind häufig Bestandteil großer Krippendarstellungen. In der Bibel ist der Elefant nicht benannt, dort ist nur von den Weisen aus dem Morgenland und ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrre die Rede. Die Darstellung der drei Weisen oder Könige hat eine sehr lange Tradition, die ins 5. Jhd. zurück reicht. Die Könige sind dabei oftmals als Vertreter der Menschheit den drei menschlichen Altersstufen und den damals bekannten drei Erdteilen (Europa, Asien, Afrika) zugeordnet. Entsprechend bekamen sie Reittiere "mit auf den Weg": ein Pferd für Europa, ein Dromedar oder Trampeltier für Afrika und ein Elefant, zugeordnet König Balthasar mit der Gabe Weihrauch, für Asien. Der Speyerer Elefant ist besonders groß und schön gestaltet. Damit die Kinder etwas zu sehen haben, stellen die Sakristane ihn Elefanten bereits einige Tage vor Weihnachten in die ansonsten noch leere Krippenlandschaft.

Die Krippe im Speyerer Dom ist vom 24. Dezember bis zum 2. Februar zu sehen. Der Dom ist werktags von 9 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr und an Sonntagen von 12 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. An Feiertagen gelten besondere Öffnungszeiten. Während der Gottesdienste ist keine Besichtigung möglich.