Wie Sorgen vor Gott getragen werden

Zettel mit Gebetsanliegen

„Lieber Gott, ich bete für meinen Schatz Yilmaz, der täglich auf der Straße unterwegs ist. Lass ihn immer ans Ziel kommen, dass ihm und seinen Passagieren nichts passiert. Und danke dafür, dass ich diesen Menschen lieben darf.“

Das hat eine Frau aufgeschrieben. Auf einen Zettel, der im Speyerer Dom hängt. Dort gibt es eine große Stellwand mit der Aufschrift „Mein Gebetsanliegen“. Wer möchte kann seinen Gebetswunsch aufschreiben und an die Stellwand hängen. Mich bewegt sehr, wenn ich sehe, um was alles sie bitten.

Da werden Gott viele ganz persönliche Sorgen anvertraut: „Herr, heile die Beziehung von meinem Mann und meinem Schwiegersohn. Mach alles neu.“ „Gott, ich bete für unsere Tochter Cecilie. Sie soll in der Schule besser werden.“ Manche bitten um Gesundheit und Glück für ihre Familie oder um Frieden in der Welt. Auch viele Kinder schreiben auf, was sie Gott sagen möchten. So zum Beispiel Marina: „Lieber Gott, danke für das neue Zimmer und das neue Handy. Ich wünsche mir, dass nicht so viele Straßen gebaut werden und nicht so viele Bäume gefällt werden. Und dass mein Hund noch lange lebt.“

Viele Dombesucher bleiben an der Wand mit diesen Gebetsanliegen stehen und lesen sie. Manche finden sich und ihre Wünsche wieder in dem, was da alles steht.
Und wenn die Wand voll ist mit diesen Zetteln? Dann nehmen wir sie ab und bringen die Gebetsanliegen dorthin, wo weiter dafür gebetet wird. In allen drei Frauenklöstern in Speyer bekommen die Schwestern dann die Gebetszettel. Und sie beten ganz konkret in diesen Anliegen und für diejenigen, die sie aufgeschrieben haben. Die Schwestern machen sich deren Sorgen und Wünsche zu eigen und tragen sie vor Gott. Ihr Gebet ist ihr Dienst für die Mitmenschen. Eine hilfreiche spirituelle Unterstützung. Auch mir tut es gut, wenn ich weiß, dass andere für mich und in meinen Anliegen beten.

 

aus: Anstöße / Morgengruß, SWR1 Rheinland-Pfalz, Domdekan Dr. Christoph Kohl