Die Dommusik in Zeiten von Corona

Domkapellmeister Markus Melchiori berichtet von immer neuen Wegen der Dommusik, den Herausforderungen der Corona-Pandemie zu begegnen

Eine schwierige Zeit liegt hinter der Dommusik. Eine Zeit ständiger Umplanungen, Absagen und Neustarts. Wie kaum ein anderer Bereich mussten die Arbeit von Domkapellmeister Markus Melchiori immer wieder an das Infektionsgeschehen angepasst und neue Verordnungen umgesetzt werden. Mal durften vier, dann acht Sänger gemeinsam Gottesdienste gestalten, dann nur noch einer. Unter diesen Voraussetzung die Chorarbeit, das Herzstück der Kirchenmusik am Dom zu pflegen, war und ist besonders schwer. Doch anstatt zu lamentieren ließ sich das Team immer wieder etwas Neues einfallen und suchte mit Videoclips und Online-Chorproben nach digitalen Ausweichmöglichkeiten. Vor allem aber wurde, wann immer es ging, Live-Musik gemacht.

Im Herbst 2020 fanden die „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“ statt. Als eines der wenigen Festivals des vergangenen Jahres wurde die Musiktage nicht abgesagt, sondern den  Corona-Bedingungen angepasst. So konnten immerhin 15 Konzerte an vier Orten in der Stadt stattfinden.

Im Advent startete dann ein neues Format: Musikalisch besonders gestaltete Andachten unter dem Titel „Halte.Punkt.Advent“, welche in der Fastenzeit mit dem Titel „Halte.Punkt.Kreuz“ wieder aufgegriffen, zuletzt mit „Halte.Punkt.Ostern“ und im Marienmonat Mai mit „Halte.Punkt.Maria“ samstags bis Ende Mai weitergeführt wird. Trotz der im Dom erst allmählich weichenden Kälte waren diese Andachten fast immer „ausgebucht“ und die Besucher äußerten sich dankbar über dieses musikalisch-geistliche Angebot und die Symbiose von Musik, Wort und Raum. Bis Ende Mai werden 37 Andachten in diesem Format stattgefunden haben, die auch zum Ziel hatten, freischaffende Musikerinnen und Musiker einzubeziehen und in dieser Zeit zu unterstützen. „Ich erlebe gerade in den zurückliegenden Monaten die für die Kirchenmusik Verantwortlichen der beiden großen Kirchen als diejenigen in unserem Land, die immer wieder mit Ideenreichtum und Kreativität nach Möglichkeiten suchen, ‚Kultur‘ stattfinden zu lassen“, sagt Domkapellmeister Markus Melchiori. Nun gilt es nach vorne zu schauen und mit allen Unsicherheiten ein musikalisches Programm am Dom für das laufende Jahr zu planen und umzusetzen.

Chorarbeit in Zeiten von Corona

Die Gestaltung der feierlichen Liturgien im Dom ist normalerweise die wichtigste und vornehmste Aufgabe der Chöre der Dommusik. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Singen bislang lediglich in kleinen Besetzungen mit vier Personen möglich.

Wie dramatisch diese Einschränkung ist, verrät ein Blick auf die Zahlen der diesjährigen Heilige Woche: Am Palmsonntag gestalten normalerweise rund 70 Knabenstimmen und junge Männerstimmen der Domsingknaben die Palmprozession im Domgarten und das anschließende Pontifikalamt. In der Chrisammesse am Montag der Karwoche hätten etwa 100 Sängerinnen des Mädchenchores gesungen. Die Männerstimmen des Domchores wären für die Gestaltung der Messe vom Letzten Abendmahl zuständig gewesen; die Karfreitagsliturgie und die Feier der Osternacht wäre die Aufgabe des Domchores mit seinen derzeit rund 70 Sängerinnen und Sängern gewesen. Das feierliche Pontifikalamt am Ostersonntag ist seit einigen Jahren Aufgabe von Mädchenchor und Domsingknaben, die dann in großer Schar singend den Dom erfüllen und im Anschluss noch Ostereier im Domgarten suchen.

Dass nach der letztjährigen Karwoche auch die diesjährige nicht von den Chören in gewohnter Weise gestaltet werden kann, hat natürlich zur Folge, dass viele Rituale, eingeübte Abläufe und viele Repertoire-Stücke verloren gehen.  Dennoch bemühte sich die Dommusik auch in diesem Jahr um eine bestmögliche und würdige Gestaltung der Liturgien.

Das Singen im Gottesdienst wurde im zurückliegenden Jahr der Pandemie deutlich mehr. War bislang lediglich der Hauptgottesdienst um 10:00 Uhr an Sonn- und Feiertagen in Verantwortung einer der Dommusik-Ensembles, wurden jetzt alle drei sonntäglichen Messfeiern (7:30 Uhr, 10:00 Uhr und 18:00 Uhr) mit kleinen Ensembles gestaltet. Ein enormer Vorbereitungs- und Planungsaufwand, der nach wie vor von den verantwortlichen Musikern sehr viel Kreativität fordert.

Nach wie vor treffen sich alle rund 400 Sängerinnen der verschiedenen Chorgruppen in ihren virtuellen Probenräumen, um ansatzweise zu proben und eine Form von Gemeinschaftsgefühl zu erleben. Diese Treffen findet nicht wie in Präsenz zwei- bis dreimal wöchentlich, sondern lediglich einmal in der Woche statt. Begleitend ist der ebenfalls momentan noch virtuell stattfindende Stimmbildungs- und teilweise in Präsenz mögliche Instrumentalunterricht – eine wichtige Säule des Kontakthaltens mit der Domsingschule. Auch durch die enge Kooperation mit der Klosterschule und dem möglichen Wechselunterricht kommen gerade die Kinder im Grundschulalter regelmäßig auf das Gelände der Dommusik und in das Domizil der Dommusik, dem Haus der Kirchenmusik.

Dommusik@home

Während der zurückliegenden Monate hat die Dommusik Speyer zahlreiche Videos erstellt und auf dem eigenen YouTube-Kanal bereitgestellt. Unter dem Titel „Dommusik@home“ entstanden hier Clips mit Orgel- und Vokalmusik in kleinen Besetzungen. Nach dem Motto „Mit Bach durch die Krise“ bilden Werke dieses großen Barockkomponisten einen Schwerpunkt in der Video-Sammlung.

Auch das Domgeläute mit seinen neun bedeutenden Glocken wurde dokumentiert. Das sog. „Plenum“, also das Vollgeläut aller Domglocken erreichte in den vergangenen Tagen eine Klickzahl von 15.000 und ist damit nach einem Clip zum Orgeltag 2018 der erfolgreichste Youtube Beitrag auf den Kanälen von Dom und Bistum.

 

BAULICHE VERÄNDERUNGEN

Und es gibt für die Dommusik auch erfreuliche Aussichten: 2021 wird mit der Planung und Umsetzung von Projekten begonnen, mit denen langgehegte Wünsche in Erfüllung gehen: die Afrakapelle bekommt eine neue Pfeifenorgel, ein neues Chorpodest wird nach fast zehnjährigen  Überlegungen realisiert und die geplante, neue Lautsprecheranlage wird auch für die Belange der Dommusik eine Rolle spielen.

Eine neue Orgel für die Afrakapelle

Die Afrakapelle des Domes liegt nordöstlich des Langhauses vor dem Beginn des Querhauses. Die Kapelle ist der Ort im Dom, in dem die meisten Gottesdienste stattfinden: jeden Tag frühmorgens und zweimal wöchentlich abends. Eine kleine Orgel des Speyerer Orgelbauers Scherpf musste ausgebaut werden, da sich in der Orgel durch ein ungutes Raumklima Schimmel gebildet hatte und die Orgel nicht mehr zu retten war. Nachdem die Afrakapelle aufwändig saniert wurde, erhält der Raum nun ein neues, kleines Instrument der niederländischen Firma Klop, das wieder an der gleichen Stelle zum Stehen kommt.

Zur Lautsprecheranlage und dem Chorpodest laufen derzeit die Planungen. Dabei arbeiten das Dombauamt mit der Domtechnik und der Dommusik eng zusammen. Auf Grund der Corona-Beschränkungen sind wir bei Ortsterminen allerdings eingeschränkt, was zu Verzögerungen führt.

 

INTERNATIONALE MUSIKTAGE DOM ZU SPEYER 2021

Himmlisches Jerusalem – 40 Jahre Weltkulturerbe Dom zu Speyer

Zwischen 1024 und 1030 wurde mit dem Bau des Speyerer Domes begonnen. Er sollte ein Abbild des himmlischen Jerusalems sein. 1061 war die größte Kirche der damaligen Welt fertig und wurde geweiht. 1981 wurde der romanische Kirchenbau in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Seine Entstehung verdankt der Dom zu Speyer dem salischen Kaiser Konrad II. Dieser verfolgte nach seiner Wahl zum König das ehrgeizige Ziel, die größte Kirche seiner Epoche zu errichten. Die Weihe des Doms im Jahr 1061 erlebte er Konrad nicht mehr. Sein Enkel Heinrich IV. ließ den Dom bereits ab 1080 von Grund auf umbauen und gab ihm seine heutige Gestalt. Heute – nach der Zerstörung der Abteikirche von Cluny – ist der Speyerer Dom, die größte romanische Kirche überhaupt.

 

Dies ist Grund genug, die „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer 2021“ dem Dom selbst zu widmen und eine musikalische Annäherung an diesen einzigartigen Bau zu wagen.

Im Eröffnungskonzert wird mit Mozarts Requiem in d-Moll ein Meilenstein der Kirchenmusikgeschichte erklingen. Das Bild des „himmlischen Jerusalems“ ist in den Texten der Totenmesse omnipräsent. Der zeitgenössische Zyklus „Lux aeterna“ erklingt kontrastierend zu dem bekannten Mozart-Werk. Den fünf Sätzen sind jeweils verschiedene liturgische Texte mit Bezug auf das „ewige Licht“ (lat. Lux aeterna) unterlegt. Es sind zudem aus der liturgischen Totenmesse die Ecksätze Introitus und Agnus Dei / Communio entlehnt. Den drei Mittelsätzen liegt außerdem der Gedanke der Dreifaltigkeit zugrunde, indem sie liturgische Lobgesänge für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist beinhalten. Mit diesem Konzert möchte die Dommusik der vielen tausend Corona-Opfer gedenken, die durch die Pandemie verstorben sind.

Einer der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts ist der Franzose Olivier Messiaen, der in seinen Werken immer wieder das Transzendente und das Eschatologische in den Blick nimmt. Seine Musik wird in zwei Konzerten erklingen.

Ein Jubiläumskomponist aus dem Jahr 2020 muss noch nachgefeiert werden: ist der französische Orgelvirtuose Louis Vierne feierte 150. Geburtstag. Er hinterließ zahlreiche Orgelwerke sowie Kammer- und Orchestermusik. Seine einzige Orchestersymphonie in a-Moll op. 24 wurde eigens für die Internationalen Musiktage 2020 vom englischen Organisten und Komponisten David Briggs auf die Orgel übertragen. Die Erstaufführung konnte coronabedingt nicht stattfinden und soll im Jahr 2021 nachgeholt werden.

Gustav Mahlers zweite Symphonie sollte jedes bekannte Format sprengen – und sie sollte sich mit den großen Sinnfragen auseinandersetzen: „Warum hast du gelebt? Warum hast du gelitten? Ist das alles nur ein großer, furchtbarer Spaß? Wir müssen diese Fragen in irgendeiner Weise lösen, wenn wir weiter leben sollen.“ – so der Komponist. Ähnliche Fragen beschäftigten ihn ein Leben lang, besonders stark während der Zeit als Hamburger Opernkapellmeister. Die zweite Symphonie, die auch als „Auferstehungssymphonie“ bezeichnet wird, ist ganz Ausdruck von Mahlers existenziellem Ringen – was sich in ihrer Form und ihrer überwältigenden Klanglichkeit nachvollziehen lässt.

Dieses monumentale Werk soll als große Vision der Auferstehung am Ende der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer 2021“ stehen.

 

 

Programm Internationale Musiktage Dom zu Speyer 2021

„Himmlisches Jerusalem“ – 40 Jahre UNESCO Weltkulturerbe Dom zu Speyer

 

Samstag, 18.09.2021, 19:30 Uhr, Dom – Eröffnungskonzert

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Requiem d-Moll, KV 626

Morten Lauridsen (*1943): Lux aeterna

Soli * Mädchenchor am Dom zu Speyer * Männerstimmen der Speyerer Domsingknaben

Domchor Speyer * Junge Südwestdeutsche Philharmonie

Markus Melchiori, Leitung

 

Sonntag, 19.09.2021, 17:00 Uhr, Historischer Ratssaal – Kammermusik

Olivier Messiaen (1908-1992): Vision de l’Amen

Christine und Stephan Rahn, Klavier

 

Dienstag, 21.09.2021, 21:00 Uhr, Klosterkirche St. Magdalena - Nachtmusik

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Partita d-Moll für Violine solo, BWV 1004

Daniel Spektor, Barockvioline

 

Donnerstag, 23.09.2021, 19:30 Uhr, Kath. Kirche St. Joseph – Kammermusik

Bist du bei mir…! – Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Böhm, Gottfried Stölzel, u.a.

Klaus Mertens, Bariton * Ton Koopmann, Cembalo und Orgel

 

Freitag, 24.09.2021, 19:30 Uhr, Dom-Krypta – Musik des Mittelalters

Sancte Martir Domini Olave
Die musikalische Verehrung des Hl. Olav in Fragmenten des 13. Jahrhunderts
Ensemble ARCHAICA, Berlin
Dieses Konzert findet in Kooperation mit dem Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Reihe „Via Mediaeval“ statt.

 

Samstag, 25.09.2021, 19:30 Uhr, Dom-Krypta – Kammermusik

Olivier Messiaen (1908-1992): Quatuor pour la fin du temps

Ensemble risonanze erranti

 

Dienstag, 28.09.2021, 21:00 Uhr, Klosterkirche St. Magdalena – Nachtmusik

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Suite Nr. 6 D-Dur für Violoncello solo, BWV 1012

Peter Tilling, Violoncello

 

Donnerstag, 30.09.2021, 19:30 Uhr, Kirche des Priesterseminars – Kammermusik

Der Herr ist mein Hirt – Romantische Psalmvertonungen für Singstimme und Orgel

Klaus Mertens, Bariton * Markus Eichenlaub, Orgel

 

Freitag, 01.10.2021, 19:30 Uhr, Dom – Orgelkonzert

Louis Vierne: Symphonie a-Moll

Erstaufführung der Transkription der Orchestersymphonie für Orgel

David Briggs, Orgel

 

Samstag, 02.10.2021, 19:30 Uhr, Dom – Abschlusskonzert

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehungssymphonie“

Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Domchor Speyer und Gäste

Michael Francis, Leitung

KONZERTE

Konzert zur Feier des Welterbe-Jubiläums

Am Freitag, 29. Oktober 2021 soll ein Festkonzert zum Jubiläum „40 Jahre Weltkulturerbe Dom zu Speyer“ stattfinden. Angedacht ist ein „Klingender Dom“, in dem alle Chorgruppen der Dommusik, die Domorgeln und weitere Instrumentalisten den gewaltigen Raum zum Schwingen und Klingen bringen. Eingebettet in dieses festliche Konzert wird die Uraufführung einer Auftragskomposition von Enjott Schneider sein, deren Titel noch nicht feststeht. Textlich verarbeitet das etwa halbstündige, dreisätzige Werk die Vision des Johannes in der Apokalypse „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“, den Psalm 84 „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ und das Lied „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“.

 

Orgelkonzertreihe

Sobald die Corona-Auflagen es möglich machen, wird auch die Reihe der Orgelkonzerte im Dom wieder aufgenommen. Wenn möglich, geht den Konzerten, die jeweils um 19:30 Uhr starten sollen, ein „Praeludium“, ein Gespräch mit dem jeweiligen Interpreten des Abends, über den Künstler und die Werke des Abends voraus. Unsere Hauptorgel feiert in diesem Jahr ihren zehnjährigen Geburtstag!.

Folgende Termine sind vorgesehen:

Mittwoch, 2. Juni 2021
Jean-Baptiste Monnot, Rouen (Frankreich)
 

Samstag, 19. Juni 2021
Bart Jacobs, Brüssel (Belgien)

 

Samstag, 17. Juli 2021
Wladimir Matesic, Bologna (Italien)
 

Samstag, 4. September 2021
Magne Draagen, Trondheim (Norwegen)
 

Samstag, 9. Oktober 2021
Vincent Dubois, Strasbourg/Paris (Frankreich)
 

Samstag, 23. Oktober 2021
Christoph Keggenhoff, Speyer
 

Samstag, 13. November 2021
Markus Eichenlaub, Speyer

 

„Cantate Domino“ in der Adventszeit

Auch in diesem Jahr soll an allen Samstagen der Adventszeit um 18:00 Uhr eine Stunde Adventsmusik bei freiem Eintritt in den Dom einladen.

 

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