Dienstag, 05. Oktober 2021

Internationale Musiktage mit überwältigendem Abschluss

Die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer 2021 endeten mit der Aufführung von Gustav Mahlers „Auferstehungssymphonie“.

14 Tage Musik von Mozart bis Mahler

Speyer. „Mit großer Freude und Dankbarkeit blicken wir auf die diesjährigen Internationalen Musiktage zurück“, sagte Domkapellmeister Markus Melchiori am Ender der diesjährigen Konzertreihe. „Anders als im letzten Jahr hatten wir die Programme und Spielorte des Festivals von vorneherein unter Pandemie-Bedingungen geplant. Dass nun auch alles, wie gedacht, stattfinden konnte und das wir bei allen Konzerten ein dankbares und glückliches Publikum erleben durften, ist ein Geschenk“, so Melchiori. Die großen Konzerte im Dom waren stets ausverkauft, doch auch die anderen Spielstätten, wie die Kirche St. Joseph oder die Kirche des Priesterseminars, waren gut besucht.

Ganz unterschiedliche Konzertprogramme
Zehn unterschiedliche Konzertprogramme gab es vom 18. September bis zum 2. Oktober zu erleben. Aus Anlass des Jubiläums der Aufnahme des Doms auf die Liste des UNSECO-Welterbes vor 40 Jahren  stand das Festival in diesem Jahr unter der Überschrift „Himmlisches Jerusalem“. Den Auftakt machte, mit zwei ausverkauften Vorstellungen an einem Abend, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart. Hier heißt es bereits in den ersten (lateinischen) Versen: „Dir gebührt, Gott, Lobgesang in Zion, und dir soll das Gelübde erfüllt werden in Jerusalem.“

Auch die Komponisten Olivier Messiaen und Johann Sebastian Bach, deren Musik gleich in mehrere Konzerten zu hören war, haben in ihrer Musik immer wieder göttliche Räume beschworen. Zu den besonderen Konzertorten innerhalb des Doms gehört die Krypta – die größte ihrer Art. Neben dem bereits genannten Messiaen, dessen sphärische Klänge dort besonders gut zur Geltung kamen, war dort Musik auf den Spuren des Heiligen Olav in Fragmenten aus dem 13. Jahrhundert zu hören. Das Konzert der Ensemble Archaica  bezog mit wechselnden Aufstellungen die Architektur bewusst mit ein. Die Nachtmusiken, die um 21 Uhr begannen, konnten in diesem Jahr wieder in der kleinen barocken Klosterkirche St. Magdalena stattfinden, die für zwei Abende mit Solostreichmusik den passenden und intimen Rahmen bot.

Konzerte mit Stargästen
Zu den Stargästen der Internationalen Musiktage zählten der niederländische Dirigent, Organist, Cembalist und Hochschullehrer Ton Koopmann und der international renommierte Bassbariton Klaus Mertens, welche in der Kirche St. Joseph gastierten. Klaus Mertens war noch in einem zweiten Konzert für Singstimme und Orgel in der Kirche St. German zu Gast, bei dem Domorganist Markus Eichenlaub die dortige englisch-romantische Orgel aus dem Jahr 1890 spielte.

Eine Transkription der Orchestersinfonie von Louis Vierne sollte eigentlich bereits 2020 zum 150. Geburtstag des Komponisten im Dom aufgeführt werden. Der englische Organist David Briggs, der das Stück auf die Orgel übertragen hatte, konnte dieses Stück nun im Rahmen der Internationalen Musiktage erstmals dem Publikum innerhalb seines fulminanten Konzertabends vorstellen.

„Auferstehungssymphonie“ von Mahler war Schlusspunkt
Den Schlusspunkt der Internationalen Musiktage bildete Gustav Mahlers monumentale „Auferstehungssymphonie“. Die zweite Symphonie aus der Feder Mahlers verkörpert sein lebenslanges, existenzielles Ringen – was sich in ihrer Form und ihrem überwältigenden Klangspektrum widerspiegelt. Dieser Klang vermochte den gesamten Dom in seiner Riesenhaftigkeit zu erfüllen. So kann die Aufführung der Mahler-Sinfonie, ohne Übertreibung, zu den musikalischen Sternstunden der Kathedrale gezählt werden. Nicht nur, dass die archaischen und universelle Musik sich in der Architektur des Doms widerspiegelte. Die Worte des Gedichts „Auferstehn, ja auferstehn“ von Friedrich Gottlieb Klopstock, das Mahler im letzten Satz vertonte, entfalteten im Dom eine Wirkung, die wohl niemanden, der dabei war, unberührt gelassen haben dürfte. Der Domchor stand dabei über den Gräbern der salischen Gründer des Doms, die sich dort, eben in der Hoffnung auf Auferstehung vor fast 1000 Jahren haben begraben lassen.

Foto: © Dommusik/Klaus Landry