Montag, 15. November 2021

„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“

64 Frauen und Männern spendete Bischof Wiesemann das Sakrament der Firmung.

Bischof Karl Heinz Wiesemann spendete 64 Frauen und Männern das Sakrament der Firmung

Speyer. Während eines feierlichen Gottesdienstes im Dom zu Speyer hat am Sonntag Bischof Karl Heinz Wiesemann 64 Frauen und Männern die Firmung gespendet. Während der Pate oder die Patin dem Firmling die Hand auf die Schulter gelegt hat, zeichnete der Bischof mit dem geweihten Chrisam-Öl ein Kreuz auf dessen Stirn und sagte: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“. Die Firmung ist in besonderer Weise Gabe des Heiligen Geistes und macht den Firmling nach Taufe und Erstkommunion zum „Vollbürger im Reich Gottes“.

Eine der an diesem Tag Gefirmten ist die 52-jährige Tanja Limberger aus Winnweiler. Sie ist in einer evangelischen Familie aufgewachsen und wurde evangelisch getauft. In den 80-ger Jahren ist sie dann aus der evangelischen Kirche ausgetreten. „Das hatte weniger mit meiner persönlichen Beziehung zu Gott zu tun als vielmehr mit der Institution Kirche. In meinem Fall war es die Haltung der evangelischen Kirche in Nazi-Deutschland, die mir in jungen Jahren zu schaffen machte und mich abstieß“. Aber auch ohne Bindung an eine Kirche war sie sicher, dass Gott da ist. Als Heilerziehungspflegerin hat sie auch immer wieder in kirchlichen Häusern gearbeitet.

Dann kam der Tag, der alles in ihrem Leben auf den Kopf stellte: Im Jahr 2020 hatte ihre 26-jährige Tochter in Italien einen schweren, lebensgefährlichen Autounfall. Nach zwei Wochen auf der Intensivstation eines italienischen Krankenhauses kam sie in die BG-Unfallklinik in Oggersheim, die Diagnose lautete auf Querschnittslähmung. In dieser Situation empfand sie das dringende Bedürfnis nach seelsorglicher Unterstützung. „Ich schrieb einen Brief an das Geistliche Zentrum Maria Rosenberg, schilderte meine Lage, auch dass ich aus der Kirche ausgetreten war, und fragte, ob ich mit jemanden reden könnte. Sehr bald bekam ich Antwort, Sr. Nardine verabredete sich mit mir. Wir haben lange geredet, dann sind wir in die Kapelle, haben eine Kerze angezündet und miteinander gebetet. Ich wurde innerlich ganz ruhig und heiter. An diesem Tag begann mein neues Leben.“ Dieses neue Leben führte sie über entsprechende Vorbereitungskurse und über die Begegnung mit der Gemeinschaft Chara zu ihrem Eintritt in die katholische Kirche im Juli. Bei ihrer Tochter jedoch wurde die Querschnittslähmung abgewendet. „Ich freue mich sehr auf die Firmung. Eine 22jährige Freundin meiner Tochter wird meine Firmpatin sein“, erzählt sie. “Eines ist mir noch wichtig zu sagen: Die Kirche ist nicht tot, sie lebt in all den wunderbaren Menschen, die ich getroffen habe und zu deren Gemeinschaft ich nun gehören darf.“

Zur Vorbereitung auf die Firmung hatte am 6. November in Maria Rosenberg ein Besinnungstag stattgefunden, an dem zehn Firmlinge teilgenommen haben.

Im Gottesdienst im Dom predigte Bischof Karl Heinz Wiesemann über das Evangelium nach Markus und die beiden Lesungen, die sich alle mit den „letzten Dingen“, dem Untergang er Welt, wie wir sie kennen, beschäftigen. „Auch außerhalb der Bibel leben wir in einer Zeit voller Herausforderungen, etwa was den Klimawandel betrifft: Werden wir das Steuer noch herumreißen können, oder haben wir bereits den ‚Point of no Return‘ erreicht?“ fragte der Bischof. Etwas ganz Wesentliches sei jedoch anders in der Botschaft der Bibel: „Unsere Welt mag in Katastrophen untergehen, aber das ist nicht das Ende. Auf uns wartet nicht das Nichts, sondern ein neuer Anfang – mit Christus. Auch das Sterben ist nur ein Durchgang zu neuem Leben. Haben wir Kraft und Mut, denn auch in der tiefsten Krise, vielleicht gerade da, ist Gott. Manchmal jedoch braucht man, um vertrauen zu können, die Gemeinschaft der anderen, die mittragen, wenn es für den Einzelnen zu schwer wird“, erklärte Bischof Wiesemann.

Text: Andrea Dölle/Foto: Klaus Landry