Montag, 15. August 2022

„Marienfeste spiegeln die Stärke der Frauen in der frühen Kirche wider“

Bischof Wiesemann predigte beim Pontifikalamt zu Mariä Himmelfahrt.

Einzug der Pilger zum Pontifikalamt.

Einzug zum Pontifikalamt.

Kräuter für die traditionelle Weihe an Mariä Himmelfahrt.

Pontifikalamt mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Fest Mariä Himmelfahrt im Dom zu Speyer

Speyer. Seit Jahrhunderten feiern das Bistum Speyer und der Kaiser- und Mariendom am 15. August Mariä Himmelfahrt als Patronats-, Wallfahrts und Hauptfest der Marienfesttage. Im Jahr 670 wurde Maria als Patronin der Diözese in einer Schenkungsurkunde des Merowingerkönigs Hilderich II. zum ersten Mal genannt. Das Pontifikalamt heute Vormittag war der zweite von fünf Gottesdiensten an diesem Feiertag im Dom zu Speyer. Zelebriert wurde es von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann gemeinsam mit Weihbischof Otto Georgens und Vertretern des Domkapitels.

Rund 80 Pilger zogen zusammen mit den Geistlichen durch das Kirchenschiff ein. In der Nacht vom 14. auf den 15. August sind sie mehr als 30 Kilometer vom Annaberg bei Burrweiler zum Speyerer Dom gegangen. Der Dom sei von Alters her eine Pilgerstätte, erklärte Bischof Wiesemann in seiner Begrüßung das Angebot des Bistums zur Pilgerreise. „Die Kirche ist auch auf einem nicht einfachen Weg“, verglich er die Wallfahrt mit den Hürden, die die katholische Kirche derzeit zu überwinden hat.  

Die Vision und Verheißung einer durch und durch heilenden Schöpfung stellte Wiesemann in seiner Predigt einer gerade in diesem Jahr „kranken, nicht mehr unversehrten Welt“ gegenüber. Von innen her seien wir tief in die Vergänglichkeit hineingerissen worden. „Die Natur leidet unter der aktuellen Hitze, die Pandemie werden wir nicht los – und es ist Krieg“, zählte der Bischof drei Realitäten auf, die uns derzeit herausfordern. „Wir bitten um Frieden mitten im Unfrieden unserer Zeit“, beschrieb Wiesemann die Wirklichkeit im unerschütterlichen Glauben daran, dass Gott mit diesem Fest Hoffnung und Trost spende. Es sei keine Vertröstung, keine Utopie, zeigte sich Wiesemann überzeugt.

Mit Leib und Seele habe Maria die Wirklichkeit Gottes angenommen und sei den Weg ihres Sohnes bis unter das Kreuz mitgegangen.  „Ihr Weg ist auch unser Weg“, betonte Wiesemann den Mut Marias. Sie stehe in einer Reihe mit vielen weiteren mutigen Frauen, deren Geschichte die Bibel – trotz Patriachats – erzähle. „Marienfeste spiegeln die Stärke der Frauen auch in der frühen Kirche wider“, betonte Wiesemann. „Bei der Diskussion der Kirche über die Frauenfrage geht es nicht nur um Tradition sondern um etwas, das immer da war“, gab der Bischof zu bedenken.

„Gott will die ganze Schöpfung vollenden“, betonte der Bischof. Er schaffe Gerechtigkeit und Ausgleich. Er habe mit Christus die Welt erneuert. „Maria betrachtet die Welt aus der Sicht Gottes“, appellierte er an die Gläubigen, die Wirklichkeit von Gott aus zu lesen. „Machen wir Gott groß, werden wir nicht klein“, ermutigte Wiesemann die Gemeinde, zur Heilung beizutragen und dem Beispiel Marias zu folgen. „Dann trägt uns eine Hoffnung, die die Menschen von heute so sehr brauchen.“  

Am Ende des Pontifikalamtes gab der Bischof den Gläubigen den Segen in lateinischer Sprache und segnete die von zahlreichen Besuchern mitgebrachten Kräuter- und Blumensträuße „zum Zeichen der Schönheit und Heilkraft der Schöpfung, zur Gesundheit und Freude“.

Musikalisch begleitete der Ferienchor der Dommusik den feierlichen Gottesdienst unter anderem mit der Missa „Salve Regina“ von Wolfram Menschick. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub.

Text: Ellen Bruder/Fotos: Klaus Landry