Donnerstag, 06. April 2017

Jahrestagung zum Thema Kirchenführungen in Speyer

Tagung zum Thema Sprache und Sprachfähigkeit

Aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz kamen Verantwortliche für Kirchenführungen nach Speyer, um sich zum Thema Sprache und Sprachfähigkeit zu informieren und auszutauschen. Vom 3. bis zum 5. April fand die Jahrestagung der AG Netzwerk Kirchenführung im Tagungshaus Priesterseminar statt. Auf dem Programm stand auch eine Erkundung des Speyerer Doms und des Dom-Besucherzentrums.

Die Arbeitsgemeinschaft, in der sich Verantwortliche für Kirchenführungen in den touristisch bedeutsamen katholischen Dom- und Klosterkirchen im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen haben, trifft sich jährlich an wechselnden Orten, um dort über verschiedene Aspekte von Führungen durch Kirchen sowie Dom- und Diözesanmuseen zu sprechen. Als Organisatoren fungieren das Domforum Köln und die Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Unter dem Motto „Ich verstehe nur chinesisch …“ beschäftigte sich die Runde in diesem Jahr mit dem Thema Sprache beziehungsweise Ansprache von Besuchern. Grundlage der Betrachtung war der Konsens, dass kirchliche Führungen sakrale Räume oder Gegenstände nicht allein aus kulturhistorischer Sicht erschließen sollen, sondern auch aus der Sicht des Glaubens.

Den Anfang machte Dr. Yvonne Pröbstle, welche die Kulturtouristen als Zielgruppe unter die Lupe nahm. Die Teilnehmer erfuhren, in welche Typologien sich die Besucher von kulturellen Einrichtungen einteilen und mit welchen Angeboten sich diese ansprechen lassen.
Am zweiten Tag widmete sich der Theologe und Publizist Ludger Verst dem Thema Ästhetik der kirchlichen Kommunikation. Er plädierte dafür, Gastgeberschaft als Grundmotiv für Kirchenführungen zu verstehen. Authentizität, Empathie und spirituelle Intelligenz seien dabei das Rüstzeug, um „Gäste in einer Atmosphäre des Heiligen führen zu können“. Am Nachmittag dieses Tages hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, den Speyerer Dom im Rahmen einer Domführung, mit dem Audioguide oder mit dem gedruckten geistlichen Domführer zu erkunden. In einer Feedbackrunde gaben sie dem Dom-Besuchermanagement Rückmeldung zu den einzelnen Erschließungsangeboten. Anschließend stellte Domkapitular und Domkustos Peter Schappert das Leitbild des Doms und die daraus resultierenden Zielvorgaben des Zweckbetriebs Kultur vor. Danach feierte er zusammen mit den Teilnehmern des Netzwerktreffens in der Krypta des Doms die Messe. Am frühen Abend unternahm Domkapitular Franz Vogelgesang eine spirituelle Domführung mit der Gruppe.
Am dritten Tag sprach Professor Dr. Josef Freise zum Thema „Kirchen als spirituelle Orte für Menschen unterschiedlicher Glaubensvorstellungen“. Dabei verdeutlichte er zunächst den Unterschied zwischen Religion und Spiritualität. Während Religion auch auf einer diskursiven Ebene mit Erklärungen und Debatten zu erschließen sei, basiere Spiritualität auf Wahrnehmung. Daraus schlussfolgernd gab er die Empfehlung „Zeiten und Räume des Zuhörens und Schauens“ mit in die Führung einzubinden. Um mit Menschen nicht-christlichen Glaubens den Kirchenraum erschließen zu können, nannte er Unvoreingenommenheit, Respekt und Authentizität als Grundvoraussetzungen. Kirchenführer müssten darüber hinaus über die eigenen Glaubensinhalte fundiert Auskunft geben können, ohne dabei einen exklusiven Wahrheitsanspruch zu vermitteln.

 

In einer Abschlussrunde dankten die Teilnehmer dem Speyerer Besuchermanagement für die Gastgeberschaft. Insbesondere die verschiedenen Angebote zur Erschließung des Doms wie auch die persönliche Präsenz und Auskunftsfreudigkeit der Domkapitulare Schappert und Vogelgesang wurden dabei positiv hervorgehoben.