Donnerstag, 11. Mai 2017

Vortrag des Dombauvereins zum Straßburger Münster

© Foto: Franz Gabath

Wissenschaftliches Forum mit Dr. Sabine Bengel beleuchtet Beziehungen zwischen dem Straßburg und dem Speyerer Dom

Speyer. Das Straßburger Münster tritt den Besuchern vor allem als gewaltiger gotischer Sakralbau mit seiner eindrucksvollen Westfassade vor Augen. Dennoch weist die Straßburger Kathedrale umfangreiche Bauteile aus romanischer Zeit auf, die zum Teil in engem Bezug zu den Domen von Speyer und Worms stehen. Anschaulich und detailreich referierte Dr. Sabine Bengel im Rahmen des Wissenschaftlichen Forums des Dombauvereins am 11. Mai über die Baugeschichte des Straßburger Münsters und zeigte interessante Beziehungen zum Speyerer Dom auf. Dabei verlor die Archivleiterin der Fondation de l’Œuvre Notre-Dame in Straßburg nie den Blick für das große ganze und vermochte so ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die Bauhistorie zu nehmen. Bereits in ihrer Promotion hatte Bengel sich mit dem romanischen Ostteils des Straßburger Münsters beschäftigt und vermochte so kenntnisreich und mitreißend über die Beziehungen zwischen dem Straßburger Münster und den Domen von Speyer und Worms zu berichten.

Das Straßburger Münster steht auf den um 1015 errichteten Fundamenten eines ottonischen Vorgängerbaus. Bereits dieser Bau weist in Art und Form der Erbauung Beziehungen zu den nachfolgend errichteten Domen von Speyer und Worms auf. Zudem gab es auch familiäre Beziehungen, da Bischof Wilhelm I. von Straßburg der Onkel des Salierkaisers und Domgründers Konrad II. war.

Ab 1150 wurde das nach einem Brand schwer beschädigte Münster unter Bischof Werner neu errichtetet. Reste des ottonischen Vorgängerbaus sind heute noch in der Krypta sichtbar. Diese erinnert in der erhaltenen Form mit dem Farbwechsel zwischen gelben und rotem Sandstein deutlich an die Speyerer Krypta. Eine weitere Parallele ist die Ausgestaltung der Querhausarme mit Nischen. Die Verbindungen zum Wormser Dom zeigen sich vor allem in der Gestaltung von einigen Kapitellen, der Form des Vierungsturms, sowie dem äußeren Chorabschluss.

Ab 1120 wurde das Straßburger Münster in gotischem Stil weiter gebaut, vermutlich von einem Baumeister aus Chartres. In den Folgejahren erhielt es ein neues Langhaus und eine Westfassade in hochgotischem Stil.

Relativ jung ist der Vierungsturm in neoromanischem Stil, der ab 1875 den durch einen Brand zerstörten Turm ersetzte. Dessen Baumeister, Gustave Klotz, hatte sich von zuvor neben dem Mainzer und dem Wormser Dom sich auch den Speyerer Dom angesehen, um sich die Inspiration für seinen Entwurf zu holen. Damit schloss sich der Kreis zwischen den Beziehungen zwischen den großen Sakralbauten in Speyer und Straßburg.

Gastgeber des Vortrags war die Volksbank Kur- und Rheinpfalz Speyer. Deren Vorstandsmitglied Winfried Szkutnik, der zugleich Mitglied im Vorstand des Dombauvereins ist, begrüßte die Anwesenden. Die Vorstellung der Referentin übernahm die stellvertretende Vorsitzende des Dombauvereins Dr. Barbara Schmidt-Nechl, welche die Referentin geworben hatte. Sie verwies darauf, dass die an diesem Abend gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse am besten vor Ort nachvollziehen seien: Am 10 Juni findet der Tag der Mitglieder des Dombauvereins in Straßburg statt. Einige Restplätze sind noch frei. Information und Anmeldung:dombauverein@bistum-speyer.de