Sonntag, 25. März 2018

Palmsonntag „Mahnung und Ermutigung“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Predigt am Palmsonntag

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann eröffnet Heilige Woche im Dom zu Speyer

Speyer. Am Palmsonntag, in diesem Jahr der 25. März, beginnt die Karwoche oder Heilige Woche, in der die Kirche des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu gedenkt. Im Speyerer Dom feierte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann aus diesem Anlass ein Pontifikalamt.

Traditionell begann der Gottesdienst mit einer Statio am Ölberg auf der Südseite des Doms. In seiner Begrüßung hieß Bischof Wiesemann vor allem die Kommunionkinder der Pfarrei Pax Christi willkommen, die bunt geschmückte Zweige zur Messe mitbrachten. Die Zweige bezeichnete er als ein Zeichen des Friedens. Damit befänden sich alle Mitfeiernden in der Nachfolge Jesu, der nicht mit dem Schwert in Jerusalem eingezogen sei. Nach der Statio zog die Gemeinde in einer feierlichen Prozession singend durch den Domgarten.

In seiner Predigt zeige Bischof Wiesemann sich betroffen davon, wie schnell Gewalt hochschlage und wie schnell sich Menschen radikalisieren ließen. Dies werde in der Passionsgeschichte sichtbar. Die Anfeindungen und Beschimpfungen ertrage Jesus still und gewaltlos, ohne sich provozieren zu lassen: „Die Größe Jesu scheint in diesem Ganzen auf“, so Bischof Wiesemann.

Neben der Die Passion Christi sei eine Geschichte der Kleinen am Rande. Simon, der das Kreuz trage, Veronika, die nach der Überlieferung in einem Akt der Barmherzigkeit das Schweißtuch reiche, Josef von Arimatäa der den Leichnam Jesu bestatte und ihm so seine Würde gebe. Vor allem aber die Frauen um Maria von Magdala die in er Nähe Jesu blieben, als seine Jünger längst geflohen waren. „Die Kleinen am Rande werden zu den Großen“, folgerte Bischof Wiesemann. Daraus erwachse für alle Menschen eine „große Mahnung und Ermutigung, wach zu bleiben, wo Hass und Hetze sich zusammenrotten.“ Mit den Worten: „Auch als kleiner Mensch am Rande kann man Geschichte schreiben“, schloss Bischof Wiesemann seine Predigt.

Die Dommusik Speyer gestaltete das Pontifikalamt an Palmsonntag mit Gesang, Bläser- und Orgelklang. Unter der Leitung von Domkantor Joachim Weller und Domkapellmeister Markus Melchiori musizierten der Mädchenchor am Dom zu Speyer, die Speyerer Domsingknaben und der Domchor Speyer sowie die Dombläser Speyer unter anderem Stücke von Heinrich Schütz. An der Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub. Der Auszug zum Schluss des Gottesdienstes erfolgte traditionsgemäß in Stille.

Palmzweige auf den Herrschergräbern

Bereits seit dem 15. Jahrhundert werden am Palmsonntag die Herrschergräber im Speyerer Dom mit Palmzweigen geschmückt. Damit wird verdeutlicht, dass die Kaiser und Könige ihre Macht von Gott erhielten und ihr Amt nach ihm ausrichteten. Sie dürfen Christus daher beim Einzug in die Heilige Stadt Jerusalem begleiten.

Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ in der Krypta

Noch bis zum 29. April ist in der Krypta eine Ausstellung der Malteser zum Turiner Grabtuch zu sehen. In der Passionsgeschichte nach Markus, welche am Palmsonntag vorgetragen wird, wird davon berichtet, dass Josef von Arimatäa den Leichnam Jesu in ein Leintuch wickelte. Die Ausstellung stellt die Geschichte rund um das Turiner Grabtuch vor und berichtetet von den Forschungen und offenen Fragen um das meistuntersuchte Stück Stoff der Welt.

 

Text / Foto: Friederike Walter