Samstag, 06. Oktober 2018

Requiem für Professor Stefan Weinfurter im Dom

Weihbischof Otto Georgens bei der Predigt

Weihbischof und Dompropst Otto Georgens feierte Gottesdienst mit Familie, Freunden und Weggefährten des Mittelalterhistorikers

Speyer. Zwei Tage vor dem Weihefest der romanischen Kathedrale wurde im Dom zu Speyer am 5. Oktober auf Einladung des Domkapitels ein Requiem für den am 27. August im Alter von 73 Jahren verstorbenen Mittelalterhistoriker Stefan Weinfurter gefeiert. Weihbischof und Dompropst Otto Georgens begrüßte die Familie, Freunde und Weggefährten des renommierten Forschers zu einem Gottesdienst im Gedenken an den Verstorbenen mit den Worten „Wir alle haben Professor Weinfurter viel zu danken.“ Insbesondere sprach er dabei auch im Namen der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, des Dombauvereins und der Saliergesellschaft sowie die Stadt Speyer und deren anwesender Vertreter.

Weinfurter war bis zu seiner Emeritierung 2013 Professor für Mittelalterliche Geschichte in Heidelberg. Als Fachmann für die Salier war er dem Dom „persönlich und beruflich verbunden“, so Weihbischof Georgens. Er würdigte vor allem die offene und unkomplizierte Art des renommierten Wissenschaftlers. Als Experte war Weinfurter federführend an der Salierausstellung im Historischen Museum der Pfalz 2011 beteiligt. Als Kurator gehörte er seit ihrer Gründung 1999 den Gremien der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer an.

In seiner Predigt bezog Weihbischof Georgs sich ganz auf das Domweihfest und stellte die Frage nach dem Wert des Doms, der sich nicht aus der Materie sondern aus der Bedeutung des Ortes ergebe. Der Dom sei nicht nach den Maßstäben menschlicher Nützlichkeit gebaut worden und zeige sich doch überaus menschenfreundlich als ein „Haus, in dem alle Platz nehmen dürfen.“ Als ein Ort, in dem die Eucharistie und damit der Sieg über den Tod gefeiert werde, setze sich hier im Dom „aus Menschen ein lebendiges Haus“ zusammen. Musikalisch wurde das Requiem von der Schola Cantorum Saliensis gestaltet. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub. 

Im Anschluss an das Requiem hatte die Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer zu einer informellen Feierstunde in das Historische Museum eingeladen. Dort würdigten Weggefährten seiner akademischen Karriere Stefan Weinfurter als Wissenschaftler und Freund. Der ehemalige Speyerer Oberbürgermeister Werner Schineller begrüßte im Namen der Stiftung und des Historischen Museums die Gäste. Er bezeichnete Weinfurter als „im besten Sinne des Wortes populär“, als einen Menschen der anderen offen und zugänglich begegnete. Professor Nikolas Gaspert, Nachfolger Weinfurters an der Heidelberger Universität, würdigte ihn als „unnachahmlichen großen Erzähler der Geschichte, der begeisterte und sich selbst begeistern ließ“. Einen „Freund, Kollegen und akademischen Lehrer, der in den Bann zu ziehen vermochte“, nannte Professor Claudia Zey den Verstorbenen, dem sie über die Zusammenarbeit im Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte verbunden war. „Voll Dankbarkeit für den hell leuchtenden Funken, den er bei seinen Schülern entfacht hat“, sprach Professor Jürgen Dendorf über den akademischen Lehrer Weinfurter. Die letzte Würdigung des Abends kam von Weinfurters langjährigem Weggefährten Professor Gert Melville. Mehrfach um Fassung ringend, beklagte er den plötzlichen Verlust des Freundes und Kollegen. In seinen Büchern, als „gestiftete Präsenz“, bleibe Weinfurter über seinen Tod hinweg präsent.

Text/Foto: Friederike Walter