Montag, 28. Januar 2019

„Mutmacher, Gottesfreund und Seelsorger der Armen“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Predigt

Bischof Wiesemann predigt am Gedenktag des Seligen Paul Josef Nardini im Dom zu Speyer

Speyer. Mit verschiedenen Feiern gedachte das Bistum Speyer am gestrigen Sonntag des seligen Paul Josef Nardini (1821 - 1862), der an diesem Tag vor 157 Jahren starb. Der Priester wirkte im westpfälzischen Pirmasens, wo er Not leidenden Menschen beistand und die Schwesterngemeinschaft der „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“ (Mallersdorfer Schwestern) gründete. Beim Pontifikalamt im Speyerer Dom stellte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann heraus, aus welcher Motivation heraus Nardini handelte und Gottes Wort verkündete.

Der Gottesdienst diene dazu, die Zeugnisse der Heiligen und Seligen zu preisen, sagte der Bischof zu Beginn des Pontifikalamtes. Sie stifteten Mut in heutiger Zeit. Wiesemann dankte den Mallersdorfer Schwestern für ihr Wirken. Die Ordensfrauen hatten sich der verwahrlosten Kinder in Nardinis Pfarrei angenommen und sich um alte und kranke Menschen gekümmert. Bis heute handeln sie gemäß Nardinis Auftrag, den Armen das Evangelium zu verkünden durch die Werke der Liebe. Sie sind in der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen tätig, in der Pflege alter und kranker Menschen und übernehmen Dienste in kirchlichen Einrichtungen.

In seiner Predigt unterstrich Bischof Wiesemann die Gültigkeit und Lebendigkeit des Evangeliums im Hier und Heute. Gottes Worte würden lebendig beim Lesen der Heiligen Schrift, in Sakramenten, in der Gemeinschaft der Gläubigen und in Heiligen und Seligen, die die Christen verehren: „Hier und jetzt ist Gottes Gegenwart.“ Die Heiligen und Seligen hätten in besonderem Maße nach der Heiligen Schrift gehandelt, seien besonders ergriffen von Christus gewesen – so auch Paul Josef Nardini. In ihnen „leuchtet etwas auf von der Gegenwart Gottes im Heute“, führte er aus.

Der Bischof zeigte auf, in welcher Zeit Nardini wirkte, den er als Mutmacher, Gottesfreund und Seelsorger der Armen bezeichnete: In der jungen Industriestadt Pirmasens wurden die Menschen ausgebeutet, es herrschte Armut und Not. Der junge Priester lief sogar zu Fuß zu den Menschen in die umliegenden Dörfer. Ihm sei klar gewesen, dass er nicht das Wort Gottes verkünden könne, ohne die Not zu lindern, machte der Bischof deutlich. Nardini habe das Heute Gottes und Jesus Christus erkannt – darin liege das Faszinosum. Wiesemann rief die Gläubigen auf, dieses Heute, die Lebendigkeit, selbst in die Welt zu tragen.

An die Predigt schloss sich ein Gebet an, das Christus um Beistand bat für Not leidende Menschen und deren Unterstützer, für Kinder und Jugendliche, die Gewalt erfahren haben oder sich in einer schwierigen Lagen befinden, für Sterbende sowie für die Opfer des Bombenanschlags auf eine katholische Kirche auf den Philippinen. Bei dem Anschlag kamen am gestrigen Sonntag mindestens 20 Menschen ums Leben, mehr als 80 wurden verletzt.

Die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes übernahmen die Domsingknaben und Männerstimmen des Domchores unter Leitung von Domkantor Joachim Weller. Es erklangen „Missa brevis“ von Robert Jones und „Laudate Dominum“ von Henri Carol. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub. Am Ende des Gottesdienstes spendete die Gemeinde den Sängern Applaus, die im winterlich kalten Dom laut Bischof Wiesemann für Herzenswärme sorgten. 

Am Sonntagnachmittag kamen Priester und Diakone der Diözese zu Besinnung und Gebet am Grab Nardinis in Pirmasens zusammen. Er ist der einzige Pfälzer, der im Speyerer Dom seliggesprochen wurde. Eine Reliquie in der Katharinen-Kapelle des Domes erinnert an Nardini.

Text/Foto: Yvette Wagner