Kurze Geschichte

Die Dommusik Speyer kann auf eine mehr als 1000-jährige Tradition zurückblicken. Speyer beherbergte bereits im neunten Jahrhundert eine Domschule. Ihre Schüler bewohnten ein gemeinsames Gebäude und aßen am gemeinsamen Tisch. Mit der Domgeistlichkeit feierte man täglich die Heilige Messe und nahm am Stundengebet teil. Alle Domschulen hatten ihr Vorbild in der "Schola cantorum", die Papst Gregor der Große (590 - 604) in Rom zwar nicht gegründet, aber doch entscheidend geformt und gefördert hat. Ein Abbild dieser Schule war die Domschule des Bischofs Chrodegang von Metz (742 - 760), die für die Speyerer Domschule richtungsweisend war, da Metz in der Zeit der Merowinger und Karolinger politisches Zentrum auch für den Raum Speyer war.

Älter als der Dom

Wann und von wem an der Bischofskirche Speyer eine Domschule gegründet wurde, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass eine solche Schule schon vor Errichtung des heutigen Domes existiert hat, mit dessen Bau im Jahre 1030 begonnen wurde. Die erste sichere Nachricht über eine Schule bringt der Studienbericht eines ehemaligen Schülers des Bischofs Balderich von St. Gallen, Walter von Speyer, aus dem Jahre 983, der seinen Bildungsgang darlegt und die Domschule Speyer ausdrücklich erwähnt.

Domkantorei und Domkapelle

Bis ins 16. Jahrhundert stellte die Domschule die Sänger bei den Gottesdiensten des Domkapitels; dann übernahm das Gymnasium, das die Jesuiten 1567 beim Dom errichteten, diese Aufgabe. Die mittelalterliche "Domkantorei" war, wie der Name schon sagt, eine Sängergruppe, die von einem Kantor geleitet wurde. Soweit damals ein Instrument verwendet wurde, beschränkte man sich in der Regel auf die Orgel, die entweder die Singstimmen verstärken oder eine fehlende Stimme ersetzen musste. Das ändert sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, wo man in zunehmendem Maße Streich- und Blasinstrumente im Gottesdienst benutzte, die zunächst von Speyerer Stadtmusikanten, dann von den Sängerknaben selbst gespielt wurden. So entstand die "Domkapelle", die sich sowohl vokal wie instrumental betätigte. Den Leiter dieser Kapelle nannte man Domkapellmeister.

Die Stärke der Kapelle lässt sich für das 17. Jahrhundert mit maximal zwölf Mitgliedern festsetzen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde sie auf 18 Mitglieder erweitert und in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts der Versuch unternommen, sie auf rund vierzig Mitglieder anwachsen zu lassen, die sowohl vokal als auch instrumental eingesetzt wurden. Die Domkapelle war immer eine Institution von Schülern und nicht – wie andernorts – von ausgebildeten Musikern.

Zerstörung des Doms und Ende der Dommusik

Aus verschiedenen Gründen verfiel die Kirchenmusik am Speyerer Dom gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr. Begünstigt wurde dies durch den Abgang der Jesuiten nach der überraschenden Auflösung des Ordens im Jahre 1773. Der Niedergang ging so weit, dass an mehrstimmige Motetten und Messen nicht mehr zu denken war und selbst die Ausführung des Gregorianischen Chorals nicht mehr realisiert werden konnte. Die einbrechenden französischen Revolutionstruppen bereiteten letztlich der Dommusik und dem Dom selbst ein Ende. Vorbei waren die Zeiten, da die Dommusik Speyer als nachahmenswertes Vorbild für die anderen Städte und Gemeinden des Bistums galt. Es fehlte nicht nur der einst so berühmte Sängerchor, sondern auch der würdige Raum, in dem jahrhundertelang der Gregorianische Choral und die mehrstimmigen Messen und Motetten gesungen wurden. Der Dom war durch die Truppen verwüstet und dem Verfall preisgegeben.

Wiedererrichtung des Bistums

Erst um 1820 wurde nach und nach mit Schulkindern wieder ein- und mehrstimmig im Dom gesungen. An die Ausführung von Choralmessen war nicht mehr zu denken, da diese schon Jahrhunderte aus der Übung gekommen waren. Noch Jahre vergingen bis sich die Zahl der Katholiken in Speyer wieder soweit festigte, dass an eine Neugründung eines Domchores überhaupt gedacht werden konnte. Der Domchor in seiner jetzigen Gestalt als gemischter Chor ist erst im 19. Jahrhundert entstanden. Seine Gründung im Jahre 1839 steht in engem Zusammenhang mit der Errichtung eines katholischen Lehrerseminars, für das sich der damalige Bischof Johannes Geissel (1836 - 1841) tatkräftig einsetzte. Auf seine Anregung hin sollte der jeweilige Musiklehrer am Seminar zugleich das Amt des Domkapellmeisters übernehmen, und die Seminaristen sollten regelmäßig bei den Gottesdiensten im Dom singen. Der erste Domkapellmeister aus der Reihe der Seminarmusiklehrer war Eduard Rottmanner aus München, der 1839 sein Doppelamt antrat.

Dommusik heute

Zu den vornehmsten Aufgaben des Domchores zählt die musikalische Mitgestaltung der Pontifikal- und Kathedralgottesdienste im Dom durch mehrstimmige a-cappella-Musik sowie durch instrumental begleitete Orchestermessen. Im Sinne der musikalischen Verkündigung des christlichen Glaubens, bereiten sich die Sängerinnen und Sänger immer wieder auch auf geistliche Konzerte vor, die nicht nur in Speyer zur Aufführung kommen, sondern auch bei Chorreisen – unter anderem nach Rom, Loreto und St. Petersburg.