Donnerstag, 17. September 2026

Als Speyer von Baden aus regiert wurde

Porträt des Bischofs Damian Hugo von Schönborn (1676–1743) um 1750, gemalt von Johann Zick im Fürstensaal des Bruchsaler Schlosses © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Zum 350. Geburtstag von Bischof Damian Hugo Philipp von Schönborn

Speyer. Am 19. September 1676 und damit genau vor 350 Jahren wurde Damian Hugo Graf von Schönborn-Buchheim geboren. 45 Jahre später wurde er zum Bischof von Speyer geweiht und prägte während seiner 20-jährigen Regierungszeit das Hochstift wie kaum ein anderer. Sein Lebensmittelpunkt war jedoch nicht die Domstadt Speyer, sondern das badische Bruchsal, wo er seine fürstbischöfliche Residenz errichten ließ.

Kindheit und Ausbildung

Der junge Graf Schönborn-Buchheim erblickte als drittes von achtzehn Kindern am 19. September 1676 in Mainz das Licht der Welt. Trotz seiner religiösen Erziehung und der tiefen Verwurzelung derer von Schönborn in der katholischen Kirche war für Damian Hugo keine geistliche Laufbahn vorhergesehen. Sein Vater, der kaiserliche Geheimrat Melchior von Schönborn-Buchheim, hatte zunächst andere Pläne für seinen Sohn. Nach Studienaufenthalten an den Universitäten Mainz, Rom, Leiden, Löwen und Würzburg führte es Damian Hugo 1693 nach Rom an das Collegium Germanicum, wo damals nicht nur Geistliche, sondern auch junge Männer aus gutem Hause studierten.

Karriere beim Militär und in der Verwaltung

1695 kehrte der mittlerweile 19-Jährige nach Deutschland zurück und schlug eine militärische Laufbahn ein. Als Kompanieführer unter Kaiser Leopold I. bewährte er sich und zeichnete sich laut Quellen durch „seinen Eifer und seine Wachsamkeit“ aus. 1699 wurde er deshalb und in Anbetracht seiner Abkunft in den Deutschen Orden aufgenommen. Dies ist auch der Beginn seiner geistlichen Karriere – denn Ritterorden lebten nach geistlichen Ordensregeln. Die Einkleidung als Deutschordensritter war für den gerade einmal 23-jährigen Grafen eine besondere Auszeichnung. Als Bevollmächtigter des Deutschen Ordens nach Wien gesandt, gewann Hugo Damian die Gunst Kaiser Josephs I. Dieser erhob ihn 1706 zum Kammerherrn und entsandte ihn als kaiserlichen Stellvertreter in das Land Hadeln im heutigen Nordniedersachsen. Dort blieb er bis 1715 als Verwalter und Vertrauter des Kaisers.

Erst Fürstbischof, schließlich Priesterweihe

Bereits 1713 wurde Hugo Damian in das Kardinalskollegium aufgenommen – und das, obwohl er nicht einmal die Diakonweihe erhalten hatte. Auf Vermittlung seines Mainzer Onkels Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn wurde er schließlich 1719 Fürstbischof und damit zum geistlichen wie fürstlichen Regenten von Speyer gewählt. Erst ein Jahr später erfolgte die Priesterweihe und schließlich 1721 die Weihe zum Bischof.

Herausforderungen in Speyer

Als Bischof von Speyer sollte Graf Schönborn über zwanzig Jahre das Hochstift regieren. Der Beginn seiner Amtszeit war von einigen Herausforderungen geprägt: Die Stadt und das gesamte Hochstift waren noch immer finanziell wie materiell schwer von den Zerstörungen des pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 gezeichnet. Der Dom war hälftig eingestürzt und ausgebrannt und das Verhältnis der Bürger zum Bischofsamt war seit jeher ein ambivalentes. Der ursprüngliche Plan Hugo Damians, die alte Bischofspfalz an der Nordostseite des Domes wieder aufzubauen und den Sitz des Bischofs wieder von Philippsburg nach Speyer zu verlagern, musste er wegen Streitigkeiten mit dem Stadtrat wieder aufgeben.

Selbstverwirklichung in Bruchsal

Schönborn gab anschließend den Bau des berühmten Barockschlosses Bruchsal in Auftrag, dessen Vollendung er selbst jedoch nicht mehr erleben sollte. Auch das Jagdschloss Eremitage in Waghäusel ist auf Hugo Damian zurückzuführen. Trotz seiner regen Bautätigkeit ließ er das Herzstück seiner geistlichen Herrschaft – den Kaiserdom zu Speyer – in seinem stark beschädigten Zustand bestehen und vermachte dem Wiederaufbau des Domes erst posthum 50.000 Gulden.

Aufschwung für das Bistum Speyer

Wirtschaftlich brachte er das verarmte Bistum wieder auf Vordermann. Seine gewissenhafte Finanzverwaltung und sein administratives Geschick, welche er zuvor schon in seinen Ämtern für den Deutschen Orden und als kaiserlicher Geheimrat eingebracht hatte, ermöglichten einen raschen Aufschwung. Er förderte die Landwirtschaft, ließ Musterbetriebe einrichten und restrukturierte die Verwaltung. Dank seiner Finanzplanung vermochte er sogar, seinem Nachfolger Franz von Hutten 1,8 Millionen Gulden in der Kasse des Hochstifts zu hinterlassen.

Bildung als Kapital

In der Bildung folgte Damian Hugo den aufklärerischen Tendenzen seiner Zeit. Die Verbesserung des Schulwesens innerhalb seines Bistums war ihm ein großes Anliegen. Zur Qualitätssicherung des Lehrpersonals ließ er ab 1720 eine bischöfliche Approbation vorschreiben. 1722 erließ er eine allgemeine Schulpflicht für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Für Bruchsal wurde 1723 sogar eine eigene Schulaufsichtsbehörde eingerichtet. 1724 folgte die Gründung eines eigenen Priesterseminars in Bruchsal. In den 1730ern richtete Hugo Damian für Lehramtskandidaten sogar ein obligatorisches Examen vor einem geistlichen Gremium ein.

Tod und Begräbnis

Hugo Damian selbst wird in Quellen stets als asketisch lebender, zutiefst frommer Mann dargestellt. Bis 1743 regierte er das Bistum weiter und arbeitete an ihm. Im gleichen Jahr verstarb er in seiner Residenz an einer verschleppten Malaria-Infektion, die er sich in Rom zugezogen hatte. In einer Leichenrede soll er als der „neue Begründer, Ordner und Begleiter des alten Speyerer Hochstiftes“ tituliert worden sein. Begraben wurde er nicht im Dom, sondern nach vorübergehender Bestattung 1755 in der Bischofsgruft der auf seine Anweisung neu erbauten Peterskirche zu Bruchsal.

Erinnerung an die Bischöfe der Kathedrale

In einem Gottesdienst am 15. Juni gedenkt das Speyerer Domkapitel jährlich den verstorbenen Speyerer Bischöfen. Zu Allerseelen am 2. November werden Schilder und Grablichter auf die Gräber der im Dom bestatteten Bischöfe gestellt. Vor dem „Bischofsstein“ im südlichen Seitenschiff erinnert dabei ein Schild an alle Speyerer Oberhirten, die nicht im Dom bestattet sind. Bei beiden Gelegenheiten wird Bischof Damian Hugo Philipp von Schönborn gedacht.

 

Text: Viktor Timrott