Montag, 28. September 2026
Der Speyerer Weggefährte des Heiligen Franziskus

Stadtansicht der Stadt Speyer von Matthäus Merian, Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert © Stadtarchiv Speyer

Stadtansicht der Stadt Speyer von Matthäus Merian, Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert © Stadtarchiv Speyer
Wie Cäsarius von Speyer Ordensgeschichte schrieb
Speyer. Am 4. Oktober gedenken katholische Christen überall auf der Welt dem 800. Todestag des Heiligen Franziskus von Assisi. Als Ordensgründer, aber auch durch seine Lebensgeschichte und populären Bilder, die beispielsweise seine Nähe zu den Tieren beschreiben, gehört er zu den bedeutendsten und bekannten Heiligen. Einer, der ihn zu Lebzeiten kannte und seine Botschaft in Deutschland verbreitete, war Cäsarius von Speyer. Der Todestag von Franziskus bietet daher Anlass, sich mit diesem Mann aus der Domstadt näher zu beschäftigen.
Cäsarius von Speyer wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Speyer geboren. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass seine geistliche Laufbahn in seiner Heimatstadt begann – Im Umfeld des Speyerer Doms, der das religiöse und kulturelle Zentrum der bedeutenden Bischofsstadt war.
Nach einem Theologiestudium in Paris kehrte Cäsarius nach Speyer zurück und war in seiner Heimatstadt als Domprediger tätig. Er stand in Verbindung mit dem Domkapitel und war Schüler des damaligen Domdekans Konrad von Speyer, der später Bischof von Hildesheim wurde. In Speyer fiel er unter anderem mit einer Predigt über Eitelkeit auf: Er soll die Damen der Stadt dazu gebracht haben, ihren Schmuck abzulegen. Die Männer hielten ihn darauf für einen Ketzer, aber seine Verbindung mit Konrad bewahrte ihn vor Verfolgung. Von 1217 bis 1220 hielt sich Cäsarius im Heiligen Land auf. Dort kam er mit der noch jungen franziskanischen Bewegung in Kontakt und reiste nach Italien. Besonders prägend war seine dortige Begegnung mit Franz von Assisi. Cäsarius arbeitete eng mit ihm zusammen und beteiligte sich an der Entwicklung und Mission des jungen Ordens.
Die Franziskaner kommen nach Speyer
Für die Geschichte Speyers wurde Cäsarius vor allem nach seiner Rückkehr aus Italien bedeutend. Beim Generalkapitel der Franziskaner im Jahr 1221 übertrug Franz von Assisi ihm die Leitung einer Gruppe von Brüdern, die nach Deutschland aufbrechen sollte. Cäsarius war für diese Aufgabe besonders gut geeignet, schließlich stammte er selbst von dort, beherrschte die Sprache und kannte die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Reich.
Im Herbst desselben Jahres überquerte er mit etwa 30 Gefährten die Alpen. Von Augsburg aus wurden die Brüder auf verschiedene Städte verteilt: Unter anderem Würzburg, Straßburg, Bonn, Salzburg und auch Speyer. Noch im selben Jahr kamen die ersten Franziskaner in Cäsarius’ Heimatstadt an.
Für ihn dürfte diese Entwicklung eine besondere persönliche Bedeutung gehabt haben. Die Bewegung, der er fern seiner Heimat begegnet war und der er sich angeschlossen hatte, fand durch seine Initiative auch in Speyer eine Heimat. Der erste Konvent des Ordens befand sich vermutlich in einem Leprosenhaus außerhalb der Stadtmauer an der Straße Richtung Berghausen. Bereits 1223 tagte dort ein Provinzialkapitel mit Cäsarius als erstem Provinzial der neuen Ordensprovinz „Teutonia“. Später entstand im Süden der Stadt ein eigenes Franziskanerkloster in der Nähe des heutigen Diakonissenkrankenhauses.
Damit war Cäsarius eine Schlüsselfigur bei der Einführung des Franziskanertums in Speyer und überhaupt in Deutschland.
In Speyer waren die Franziskaner der älteste Bettelorden. Anders als die traditionellen Klöster suchten sie bewusst die Nähe zur Bevölkerung. Predigt und Seelsorge gehörten ebenso zu ihrem Selbstverständnis wie ein Leben in Armut und die Versorgung durch Arbeit und Almosen.
Was von den Franziskanern in Speyer geblieben ist
Von den mittelalterlichen Franziskanern ist in Speyer heute nichts mehr sichtbar. Das Kloster wurde 1689 bei der Zerstörung der Stadt schwer beschädigt und später wiederaufgebaut, aber nach der Französischen Revolution versteigert und schließlich abgerissen.
An die Anwesenheit der Franziskaner erinnern heute nur noch Straßennamen wie die Mönchsgasse und die Brüdergasse. Alte Kupferstiche, Holzschnitte und Stadtansichten aus dem 16. und 17. Jahrhundert geben uns jedoch Aufschluss über das Aussehen der Klosteranlage.
Die eigentliche Bedeutung des Cäsarius‘ liegt deshalb weniger in erhaltenen Gebäuden als in seiner historischen Wirkung. Aus einem im Umfeld des Domes ausgebildeten Theologen wurde ein enger Mitarbeiter Franz von Assisis und einer der wichtigsten Wegbereiter des Franziskanertums in Deutschland.
Für Speyer ist Cäsarius besonders wichtig, weil er die neue franziskanische Bewegung in seine Heimatstadt brachte. Seine Lebensgeschichte verbindet damit zwei wichtige Kapitel der Kirchengeschichte: Die traditionsreiche Welt um den Speyerer Dom und die neue, auf Armut, Predigt, Imitatio Christi und unmittelbare Nähe zu den Menschen ausgerichtete Bewegung der Franziskaner.
Später kam es zu Spannungen innerhalb des Franziskanerordens. 1223 kehrte er nach Assisi zurück und ließ sich als Provinzialminister entbinden. Er lebte anschließend als Einsiedler in Umbrien. In Auseinandersetzungen um das franziskanische Armutsideal stellte er sich auf die Seite der Brüder, die an der ursprünglichen Lebensweise festhalten wollten. Er wurde deshalb in Italien eingekerkert und starb dort schließlich um 1239 eines gewaltsamen Todes.
Cäsarius in Speyer
Am Sonntag, 4. Oktober, um 19 Uhr erzählt das Pfälzer Comedy-Duo Spitz & Stumpf in „Der Schatten von Speyer“ von Cäsarius von Speyer und wie dieser zu einem der wichtigsten Gefährten von Franziskus von Assisi wurde. Die Vorpremiere des Stücks findet im Alten Stadtsaal in Speyer statt. Tickets und Informationen zu weiteren Terminen gibt es unter https://www.reservix.de/tickets-spitz-stumpf/t6279
Zudem findet eine Vorstellung Vorstellung am 1. November im Kloster Neustadt. Auch hierfür gibt es Tickets über den obrigen Link.

























