Montag, 05. Oktober 2026

„Unser Dom ist ein Zeugnis für die Gegenwart Gottes in dieser Welt“

Diözesanadministrator Markus Magin beim Gottesdienst zum Domweihfest © Klaus Landry

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahmen der KathedralJugendChor, der Domchor und die Dombläser © Klaus Landry

Diözesanadministrator Markus Magin bei seiner Predigt © Klaus Landry

Diözesanadministrator Markus Magin feierte 965. Domweihfest

Speyer. Das Speyerer Domkapitel feierte am Sonntag mit einem festlichen Gottesdienst den 965. Tag der Domweihe. Diözesanadministrator Markus Magin stand dem Kapitelsamt vor, die musikalische Gestaltung übernahmen der KathedralJugendChor, der Domchor und die Dombläser unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori.

 

Die Weihe der Kirche

In seiner Predigt bezog sich der Diözesanadministrator auf die in knapp zwei Wochen startende Speyerer Herbstmesse: „Schon der Begriff ‚Messplatz‘ und der Begriff ‚Herbstmesse‘ könnten darauf hindeuten, dass das auch etwas mit Kirche und mit Gottesdienst, mit heiliger Messe, zu tun haben könnte.“ Tatsächlich stamme der Name ursprünglich von der Gottesdienstfeier, speziell von der Kirchweihmesse, ab. Diese Weihe einer Kirche habe „eine so große Bedeutung, dass man das nicht nur im Kirchenraum gefeiert hat, sondern dass Menschen aus verschiedenen Bereichen kamen, um dann eine weltliche Messe, einen Markt, abzuhalten. Messe, Kirchweihe – etwas Wesentliches, etwas ganz Besonderes.“

Der Speyerer Dom sei dem weltlichen Gebraucht entzogen und in den Dienst Gottes gestellt, er sei dazu da, Gott zu dienen, so Magin. Damit kläre sich auch die Frage, wem der Dom gehöre: Gott. „Aber was macht Gott mit solch einem Gebäude? Was soll er damit anfangen? Kann Gott mit einem solchen Kirchengebäude etwas machen, wenn es ihm gehört?“

 

Die drei Funktionen des Domes

Der Diözesanadministrator führte aus, dass der Dom in vielfältiger und besonderer Weise Gott und den Menschen diene. Zum einen „dadurch einfach mal, dass er da ist. Dass man (…) schon von Weitem die Domtürme und die beiden Domkuppeln sieht. Und erst recht in der Stadt Speyer selbst, unübersehbar der Dom, allein aufgrund seiner Größe.“ Der Dom mache in einer Gesellschaft, die immer weniger Bezug zum Glauben und zu Gott habe, deutlich, „dass Gott da ist“. Er stehe, wie jede Kirche, „für die Botschaft Gottes, von einem Gott, der diese Welt und uns Menschen liebt. Schon allein durch seine Existenz verkündet er die Botschaft Gottes von der Bedeutung und der Würde des Menschen.“ Gleichzeitig stehe er auch da gegen die Einengung und Gefährdung der Würde von Menschen, betonte Magin. „Wenn in unserer Zeit rechtsextreme Gruppierungen und Parteien wieder mehrheitsfähig werden, dann tritt er da ein für die Würde jedes Menschen. Nicht nur einer Nation und nicht nur eines Volkes, sondern jedes Menschen. Unser Dom ist ein Zeugnis für die Gegenwart Gottes in dieser Welt, eines Gottes, für den jeder Mensch wichtig ist.“

Zum anderen diene der Dom als „ein Ort, an dem ich ganz persönlich Gott begegnen und ihn erfahren kann“. Gerade wenn die Kirche leerer sei, frühmorgens oder spät am Abend, spüre man „zwangsläufig etwas von dieser Dimension Gottes, vom Göttlichen in diesem Raum. Das ist das leise, sanfte Säuseln, bei dem man erleben kann: Gott ist da.“

Schließlich sei der Dom nicht nur dazu da, dass Einzelne Gott in besonderer Weise nahe sein können. „Er ist auch, natürlich wie jede Kirche, dazu da, dass wir uns als Schwestern und Brüder, als Christinnen und Christen in ihm versammeln. Dass wir uns einfügen lassen, (…) in das lebendige Haus Kirche als lebendige Steine.“ So wurde der Dom geweiht als ein Ort, „der uns einlädt und zusammenführt, um Gottesdienst zu feiern, mit dem Herrn und miteinander“.

Doch es sei notwendig, so der Diözesanadministrator, diese drei Funktionen des Doms „auch auf die lebendige Kirche, auf uns, die Steine in dieser lebendigen Kirche“, zu übertragen. „Allein dadurch, dass wir als Christinnen und Christen da sind, sollen Menschen in unserer Umgebung etwas von dieser Größe Gottes erleben können durch unser Lebenszeugnis. Dadurch, dass wir eintreten für die Würde und die Freiheit jedes Menschen. Allein dadurch, dass wir da sind, sollen Menschen persönlich Gott erfahren und begegnen können, vielleicht in einem vertrauten, vertraulichen Gespräch oder einem gemeinsamen Gebet. Und dadurch, dass wir da sind, sollen Menschen in die Gemeinschaft geführt werden, miteinander und mit Gott.“ Denn so seien die Gläubigen und Geistlichen Gott geweiht – „So sind und werden wir lebendig Kirche.“