Montag, 02. November 2026

„Heiligkeit ist Nähe und Berührbarkeit, Kraft und Zärtlichkeit“

Weihbischof em. Otto Georgens bei seiner Predigt © Klaus Landry

Weihbischof em. Otto Georgens feiert Gottesdienst zu Allerheiligen im Speyerer Dom

Speyer. Zu Allerheiligen hat Weihbischof em. Otto Georgens im Speyerer Dom ein Pontifikalamt gefeiert. Die Männerstimmen der Dommusik gestalteten dieses mit der „Missa cum jubilo“ von Maurice Duruflé. Die Orgel spielte Domorganist Bastian Fuchs.

Ausgangspunkt der Predigt von Weihbischof em. Georgens war ein Satz der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl: „Heiligkeit, wie viele Heilige haben dieses Ideal nicht erreicht“. Georgens stellte die Frage, was dieser Satz bedeute und welcher Weg zur Heiligkeit führe. Für ihn gebe es ein richtiges und ein falsches Verständnis von Heiligkeit.

Anhand eines Gedichts der österreichischen Lyrikerin Christine Busta rückte der Weihbischof Menschen in den Mittelpunkt, die sie als „Heilige der Vergeblichkeit“ bezeichnete. Es gebe Heilige, denen kein Standbild erreicht wird, außer in Gottes Gedächtnis. „Sind die Heiligen der Vergeblichkeit gescheitert?“, fragte Georgens. „Ihre Gebete sind mit Sternen an den Himmel geschrieben“, heißt es dazu in Bustas Gedicht. Und auch die Predigt des Weihbischofs em. machte deutlich: „Bei Gott stehen sie nicht als Verlierer da.“ In der Geschichte der Kirche gebe es Heilige, die in kein landläufiges Schema passten. Ihre entscheidende Frage sei nicht gewesen, was sie tun müssten, um ein Musterexemplar eines Christen oder einer Christin zu sein. Vielmehr hätten sie gefragt: „Was hat Gott in mich hineingelegt? Was ist mein ureigenster Auftrag – für mich selbst, für meine Umgebung, für die Kirche, für die Welt?“

Ein solcher Weg sei allerdings häufig nicht leicht gewesen. Menschen wie Franz von Assisi oder Katharina von Siena seien in ihrer Umgebung angeeckt und auch von der kirchlichen Obrigkeit lange Zeit mit Argwohn betrachtet worden. Wer Leben zulasse und in anderen Leben wecke, stelle häufig das Gewohnte infrage und erscheine manchmal als subversiv. Die Heiligen der Vergeblichkeit hätten deshalb oft Schwierigkeiten mit dem kirchlichen System gehabt. Bis sie akzeptiert worden seien, habe es manchmal lange gedauert.

Heiligkeit sei kein frommer Aufputz und kein Ideal, das sich an äußerer Anerkennung oder sichtbarem Erfolg messen lasse, führte Weihbischof em. Otto Gerogens in seiner Predigt aus. Vielmehr zeige sie sich in einem ehrlichen Interesse füreinander, in neuer Verbundenheit und im Füreinander-Dasein – nicht durch öffentliche Anerkennung. Sie geschehe vielmehr im Stillen und im Menschlichen. Heiligkeit sei „die Haltung und Lebensweise Jesu, seine Hingabe“.

Mit einem Blick auf die Hoffnung, die daraus erwachse, schloss Georgens seine Predigt: „Heiligkeit ist Nähe und Berührbarkeit, Kraft und Zärtlichkeit, wenn wir auf den Ruf Gottes achten und uns von ihm heiligen lassen.“ Dann wachse in einer verwundeten Welt eine Hoffnung – „Hoffnung für alle“.